Rudolf Steiner, ein Jubiläum

Rudolf Steiner

1861 bis 1925

Am 27. Februar 1861 wurde Rudolf Steiner als Sohn eines Telegraphisten bei der österreichischen Südbahn in Kraljevec geboren. Mit 18 begann er in Wien an der Technischen Hochschule zu studieren. Er belegte zunächst die Fächer Biologie, Chemie, Physik und Mathematik, konzentrierte sich dann aber verstärkt auf Philosophie. Mit 29 Jahren begann er in Weimar im Goethe-Schiller-Archiv zu arbeiten. Es erschien sein Buch “Die Philosophie der Freiheit”, Steiner begann seine Vortragstätigkeit und lernte Menschen wie Hermann Grimm und Friedrich Nietzsche kennen.
Steiner ging nach Berlin, wo er ein Literaturmagazin herausgab und Lehrer in einer Arbeiter-Bildungsschule war. Als Vorsitzender des Kreises “Die Kommenden” traf er wöchentlich mit Vertretern der Kunst- und Kulturszene zusammen. 1913 gründete er seine Anthroposophische Gesellschaft, die Bereichen wie Medizin, Landwirtschaft, Kunst und Politik neue Impulse gab.

Mit neuen Biografien und einer Ausstellung wird heuer der 150. Geburtstag des Philosophen Rudolf Steiner begangen. Mit seinen Lehren war der Pädagoge einer der einflussreichsten Reformer des 20. Jahrhunderts.

Alternative zum derzeitigen Schulsystem

Steiner selbst las mit 16 Kant, studierte Naturwissenschaften, belegte Vorlesungen in Philosophie, Literatur, Geschichte. 1919 gründete er für die Arbeiterkinder der Stuttgarter Zigarrenfabrik Waldorf-Astoria die erste so genannte Waldorfschule. Heute berufen sich mehr als 1.000 Schulen weltweit auf die Thesen von Rudolf Steiner. In Zeiten von Pisa und Leistungsstress werden seine Theorien immer wieder als eine Alternative zum herkömmlichen Schulsystem genannt.
Seine Vision: Obwohl er in eine Zeit geboren wurde, in der Kinder früh arbeiten und damit erwachsen sein mussten, war es ihm wichtig, jedes Kind als Individuum zu begreifen.

Weltanschauung prägt Alltag

Befürworter des Schulsystems schätzen, dass die Kinder lernen, nach dem Sinn zu fragen, selbstbewusst zu sein, aber auch sozial, demütig und dankbar für das Leben. Gegner verurteilen die “Kuschelpädagogik”, die den Schülern eine heile Welt vorgaukelt, eine Welt ohne Sitzenbleiben und Noten. Steiner beeinflusste aber auch ganz andere Lebensbereiche: Als in den 1920er Jahren die Massenproduktion von Nahrungsmitteln begann, setzte er neue Impulse und entwickelt die Idee der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Damals gründete er das Arzneimittel- und Naturkosmetikunternehmen Weleda. Seine Weltanschauung prägten den Alltag von der Kunst über die Architektur bis zur Ganzheitsmedizin.

 

Original Artikel: ORF 23. 02. 2011 (Link)

Webtipp:
150 Jahre Rudolf Steiner 2011
http://www.rudolf-steiner-2011.com


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